„Hier bewegt sich was!"

7 Aug 2018

Das NaturVision Filmfestival ist seit 2011 in Ludwigsburg und lockt jedes Jahr viele Menschen an, die dort das vielfältige Programm zu den Themen Natur und Umwelt besuchen können. In diesem Jahr verzeichnete das Filmfestival 12 Weltpremieren und drei Europa- und Deutschlandpremieren. Jedes Jahr können internationale Regisseure, aber auch Amateure, ihre Dokumentationen und Kurzfilme einschicken und Preise gewinnen. Zudem wurde das NaturVision Filmfestival als Projekt Nachhaltigkeit 2018 ausgezeichnet. In der Begründung heißt es, dass das Festival einen „besonders großen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung in der Region und darüber hinaus leistet“. Wie der oben stehende Slogan schon sagt: Das Filmfestival möchte die Menschen bewegen und bei mir haben sie es geschafft. Ich, Natascha, von Fairlieben, wurdeneingeladen einen Tag auf dem NaturVision Filmfestival zu verbringen und das habe ich alles erlebt:

 

 Ich durfte zwei Filme anschauen, die sich thematisch im Bereich Fastfashion zuordnen lassen. Der erste Film hieß „Operation X – Den brændende sandhed“, übersetzt: OperationX – Die brennende Wahrheit. Der dänische Regisseur Christian Engell spricht in seinem Film eine Problematik an, die im Oktober letzten Jahres für Schlagzeilen sorgte: Neben der Fastfashion-Marke „H&M“ stand auch das  Unternehmen „Bestseller“, unter das z.B. Marken, wie „Jack & Jones“, „Only“ oder „Vero Moda“ fallen, in den Schlagzeilen. Der Film legt Beweise vor, dass diese beiden Unternehmen jedes Jahr Tonnen von noch ungetragener Kleidung verbrennen, da diese nicht verkauft wird.

 

Doch bevor dieses Thema näher behandelt wird, wird erstmals geklärt, was „Fastfashion“ überhaupt bedeutet. Unter „Fastfashion“ versteht man, dass sich der Prozess der Produktion von Klamotten unglaublich schnell vollzieht, da sich auch der Prozess von Kollektionen unglaublich verschnellert hat. So bringen Fastfashion-Mode-Unternehmen nicht nur zwei Kollektionen jährlich heraus, sondern 90 oder gar 100 bis 150.  Das heißt, dass so gut wie jeden Tag, neue Teile herausgebracht werden. Genau das macht Unternehmen, wie H&M so erfolgreich. Das bringt leider mit sich, dass die Fastfashion-Industrie unglaublich umweltschädlich ist. Allein um eine Jeans herzustellen, werden 3625 l Wasser, 400 mJ Energie, 3 kg Chemikalien und 13 m² geerntetes Land verbraucht. Jack & Jones war der erste Laden in Dänemark, der eine Kampagne veröffentlichte, in der die Leute darum gebeten wurden, ihre Altkleider wieder abzugeben, um diese wiederzuverwerten. Auch H&M setzten Nachhaltigkeit auf ihre Agenda und warben mit Rabatten, wenn der Käufer alte Kleidung abgibt. Doch wie auch bei „Jack & Jones“ bzw. bei „Bestseller“ wird der Kunde getäuscht. Sowohl „H&M“, als auch „Bestseller“ lassen jährlich Tonnen von ungetragenen Klamotten verbrennen, da diese nicht gekauft wird. Der Film legt Beweise in Videoform vor, die zeigen, dass die Klamotten noch völlig in Ordnung sind, und trotzdem verbrannt werden. „Waste is not something that we see“, hieß es seitens „H&M“, doch der Film zeigt das Gegenteil. Über „Bestseller“ sind diesbezüglich sogar Zahlen bekannt. In den letzten zwei Jahren wurden 49,2 Tonnen Klamotten verbrannt, davon 97257 Kleidungsstücke.

 

 Obwohl ich mich nun bereits viel mit „Fastfashion“ beschäftigt und mir schon die eine oder andere Dokumentation angeschaut habe, ist dieses Thema tatsächlich bisher an mir vorbei gegangen. Deshalb hat es mich auch so schockiert. Während H&M mit Recycling-Aktionen Kunden darum bittet alte Kleidung abzugeben, um die Stoffe wiederverwenden zu können, verbrennen sie ungetragenes. Sie stellen sich als ein Unternehmen hin, dem Nachhaltigkeit wichtig ist, verhalten sich jedoch gegenteilig und täuschen den Käufer. Dasselbe gilt für „Bestseller“ und die dazugehörigen Marken. Mein erster Gedanke war: Warum werden die Klamotten nicht gespendet? Wenn man überlegt, wie groß  und erfolgreich die genannten Unternehmen, kann ich es mir nicht erklären. Vielmehr wird noch Geld dafür ausgegeben, um die Klamotten in Verbrennungsanlagen zu beseitigen. Je mehr ich mich über „H&M“ und Co informiere, desto mehr bestätigt sich meine Entscheidung von diesen abzusehen und Alternativen zu finden. Ich finde es wirklich sehr erschreckend mit was für einer Doppelmoral diese Unternehmen ihr Geld verdienen. Da im Film sozusagen auch die Quellen der genannten Informationen gezeigt werden, hatte ich auch nicht das Gefühl, dass die Vorwürfe nur belanglos in den Raum geworfen wurden. Deshalb hat mir der Film, trotz der kritischen und schockierenden Thematik, sehr gut gefallen.

 

Der zweite Film hieß „Green Warriors: Indonesia, the World’s most polluted River“ von dem Französischen Regisseur Martin Boudot. Wie der Titel schon andeutet, geht es um den Fluss Citarum, der durch Indonesien fließt und als der meist verschmutzte der Welt gilt. In den Citarum fließt ungefiltertes Abwasser aus über 500 Fabriken, die z.B. Stoffe färben. Das Team „Green Warriors“ besteht aus einem Reporter, internationalen Wissenschaftlern und engagierten Bürgern, die Wasser des Citarum, Reis, dessen Plantage direkt an ihn angrenzt, und menschliches Haar auf Chemikalien untersuchte. Sie fanden Spuren vieler giftiger Stoffe, die das Leben von 14 Millionen Indonesiern bedrohen, die das Wasser des Flusses nutzen. Diesen Film fand ich besonders eindrucksvoll, da er in der einen Szene das verseuchte und verfärbte Wasser zeigt und in der nächsten eine, der vielen, Familien zeigte, die das Wasser nutzen, da sie einfach keine andere Möglichkeit haben. Außerdem sind Wunden an ihren Armen und Beinen zu sehen, da das Wasser teilweise ätzend wirkt. Obwohl die Verseuchung des Flusses so offensichtlich ist, war ein Umweltaktivist aus Indonesien, schockiert als er die Ergebnisse hörte und dankbar, dass er nun vorzeigbare Beweise hat um weiter gegen die Verseuchung vorgehen zu können. Die Green Warriors gingen auf z.B. „H&M“ zu, um sie mit ihren Funden zu konfrontieren. Mit einer versteckten Kamera wurde aufgezeichnet, wie eine Mitarbeiterin sagte, dass sich „H&M“ sehr wohl über diese Missstände bewusst ist, daran aber wohl nichts ändern wird. Man merkt: es wird nicht besser! Trotz dieser wirklich ernüchternden und ebenfalls schockierenden Szenen und Thematik, hat mir auch dieser Film gut gefallen.

 

 

Mit diesen eindrucksvollen Bildern im Kopf, ging es dann zum Übermorgenmarkt. Es gab verschiedene Stände, an den man sich informieren oder auch shoppen konnte. Für uns bekannte Gesichter waren z.B. Kipepeo oder auch die rote Zora. Zum Essen gab es dieses Jahr nur vegetarisches und veganes, da auch die Massentierhaltung ihren Teil zu den Emissionswerten beiträgt und so ein Zeichen gesetzt werden sollte. Ich entschied ich mich für die vegane Variante und aß Falafel mit Couscous  und Currysoße und dazu Salat, was sich als eine gute Entscheidung herausstellte. Gleichzeitig gab es auf demselben Platz ein Open Air Kino, in dem unter anderem Kurzfilme gezeigt wurden, die man während dem Schlendern ebenfalls schauen konnte. Ich habe gemerkt, dass auf wirklich alles geachtet wurde, als ich die Toiletten gesehen habe. Anstatt der immer übel riechenden Dixi-Klos, gab es die umweltfreundliche Variante aus Holz, bei der die Spülung aus einer Art Sägespäne bestand, die gleichzeitig den Geruch verhinderte. Zum Abschluss durfte ich noch ein T-Shirt mit einem Siebdruck verschönern. Ich entschied mich für das diesjährige Tier: dem Feldhamster. Wie der Name schon sagt, wird das Motiv mithilfe einer dünnen Siebschablone und spezieller Farbe durch starkes darüberstreichen auf das T-Shirt gedruckt. Die Aktion hat nicht nur den Kindern, sondern auch mir Spaß gemacht, da das Ergebnis wirklich toll aussah!

 

Alles in Allem hat mir der Tag wirklich sehr gut gefallen, auch wenn das Wetter nicht mitgespielt hat. Ich habe viel Neues entdeckt und hatte sehr viel Spaß. Ich kann euch das Filmfestival auf jeden Fall empfehlen, da es ein breit gefächertes Programm zu unterschiedlichen Themen gibt und auch für Kinder etwas dabei ist! Nächstes Jahr findet das NaturVision Filmfestival vom 11. Bis 14. Juli 2019 statt, mit hoffentlich besserem Wetter, als dieses Jahr!

 

 

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