• Nanni

Von der Odyssee eine Hose zu finden - Randgrößen


Geschichten vom Hosen kaufen kann vermutlich fast jeder erzählen. Diese Hoffnung, wenn wir ein neues Stück Stoff in der Hand halten, dass es dieses Mal DIE eine sein könnte... Und dann oft die Enttäuschung, wenn wir uns rein gequetscht haben, sofern das überhaupt ging. Oder auch die Enttäuschung, wenn wir uns plötzlich in einem Zelt wiederfinden. Das kommt euch bekannt vor? Mir auf jeden Fall.

Vorweg zur Erklärung: Ich bin 1,55 m riesig und schmal. Dass meine Körperstatur in den Augen der Modeindustrie nicht existiert, habe ich schon früher bei Fastfashion gelernt. Vergangenen Juni habe ich angefangen zu arbeiten und brauchte dafür noch ein Kleiderschrank Repertoire, dass die kurzen Röcke doch eher hinter sich lässt. Daher das dringende Bedürfnis einer schicken Hose für die Arbeit. Die Hosenreise begann online: Ich durchstöberte Onlineshops und fand zwei Exemplare die in Frage kamen. Schwups landeten sie im Einkaufswagen und waren 3 Tage später schon da. Eine Hose passte tatsächlich wie angegossen. Es hätte alles so einfach und schön sein können, wenn diese Hose nicht Offline dem Stoff und Sitz nach in die Reihe Yoga-Hose einzuordnen gewesen wäre. Und Exemplar Nummer zwei war eine vollkommene Katastrophe. Ich bestelle meist die kleinste Größe die es gibt. In diesem Fall laut Internet Größe S. Angekommen ist eine Hose angeblich in der britischen Größe 8 oder auch anders ausgedrückt: Ein Zelt! Als ich rein schlüpfte konnte ich beide Hände zusätzlich in die Hose stopfen und es gab immer noch Platz. Meine Mutter hat sie ebenfalls anprobiert. Sie trägt Größe M und selbst ihr war sie zu groß.

Der nächste Anlauf war die Stadt. Der Tag begann mit einer Kleidertauschparty, doch dort wurde ich nicht fündig. Mit einer Freundin klapperte ich sämtliche Fairfashion-Läden in Stuttgart ab. Doch jegliche Hose, die infrage kam, wurde entweder nicht einmal in Größe XS produziert, war nicht mehr vorrätig oder hatte eindeutig keine Minni-Nanni-Maße, so dass ich mich fragte, was die Labels unter XS verstehen. Dann waren wieder Exemplare dabei, in die ich kaum rein gekommen bin. Aber eine Nummer Größer, waren wir schon wieder beim Zeltexemplar. Falls ihr mir den Tipp „Hose kürzen“ direkt geben wollt: Der ist mir durchaus bekannt und das mache ich auch gerne. Allerdings muss man halt auch dazu erst einmal eine Hose finden, bei der nur die Beine „etwas“ zu lang sind.

Meine letzte Hoffnung waren die 2ndhand-Läden. Also zog ich eines Feierabends mit Natascha und ihrer Schwester Alina durch die Tübingerstraße um ein neues Lieblingsstück zu ergattern. Beinahe wurde ich im Vintage Markt fündig. Zumindest gab es dort tatsächlich Hosen im Sortiment, die sowohl in der Länge, als auch in der Weite passten. Leider waren die Schnitte so extravagant, dass der Bürocharakter eher nicht so getroffen war. Aber immerhin passende Hosen!

Eine Hose online in einem Secondhandladen zu kaufen habe ich einmal gemacht. Die Chance, das das Produkt aber passt, liegt bei mir etwa bei 1:20, daher ist mir das eher zu riskant. Denn auch bei besagtem einem Mal, hat das eher weniger gut funktioniert. Die mittlerweile bekannteste Fairfashion-Marke dürfte wohl Armedangels sein. Von denen habe ich auch schon dutzende Hosen die Jahre über probiert, aber die haben mir auch prinzipiell nicht einmal ansatzmäßig gepasst. Daher hatte ich diese Marke mittlerweile bei der Hosenauswahl für mich ausgeschlossen. Zum Glück kam ich auf die Idee, es doch noch einmal mit AA zu versuchen. Ich bestellte direkt 6 potentielle Kandidaten (wenn schon, dann richtig) und das Päckchen kam keine 3 Tage später an. Und dann konnte ich es kaum fassen: In meiner Wohnung befanden sich plötzlich 5 absolut perfekt sitzende Hosen! Ich bin also freudestrahlend und zugleich fassungslos durch die Wohnung getanzt und hatte plötzlich das Glück, mich nicht entscheiden zu können, welches Modell ich behalten soll.

Und wenn es mal statt einer Hose, ein Pulli oder Sweatshirt sein soll, dann kann ich euch Wasni empfehlen. Hier kann man sich per Online-Konfigurator nicht nur den Schnitt und die Farbe des neuen Oberteils wählen, sondern dieses auch genau auf seine Maße anpassen lassen. Egal ob groß, klein, dick, dünn, kurz oder lang. Es werden ausschließlich Stoffe aus Bio-Baumwolle verarbeitet und genäht wird von Menschen mit und ohne Behinderung direkt in Esslingen.

Was habe ich also aus dieser Odyssee gelernt? Marken entwickeln sich weiter. Also per sé vielleicht nicht jahrelang eine Marke ausschließen, denn vielleicht kommen die doch noch auf die Idee, eine Passform-Lücke zu schließen. Aber liebe Fairfashion-Labels und -Läden: Bitte denkt auch wie Wasni an alle kleinen, großen, breiten, dünnen,… Leute, die keine 2 m langen Modelbeine für die Standardhosen haben. Wie ich neulich beim Future Fashion Treffen gelernt habe, ist auch Kleidung ein Inklusionsthema, da Rollstuhlfahrer auch sehr große Probleme haben eine passende Hose zu finden. Falls also jemand Input zu dem Thema Größen hat, gerne her damit!

#Fairfashion #Slowfashion #Modeindustrie #marke #armedangels #Onlineshopping #faireMode

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