• Natascha

Tierversuche


„Die Tiere werden gequält.“, „Tierversuche dienen der Sicherheit.“ Zwei Aussagen, eine Debatte: Es geht um Tierversuche in der Kosmetikbranche. Immer wieder sehe ich Petitionen gegen Tierversuche und Meinungen, die für Tierversuche argumentierten, doch mir ist aufgefallen, dass ich doch nur recht wenig über dieses Thema weiß. Bei meinen Recherchen habe ich festgestellt, dass dieses Thema sehr umfangreich und komplex ist, weshalb ich alles auf ein paar allgemeinere Fragen reduziert habe:

Welche Testungen gibt es in diesem Bereich?

Es gibt diverse Testungen, die der Kosmetikbranche zuzuschreiben sind. Zum Einen der „Draize-Test“, ein Augen- und Hautiritationstest, der aus den 40er Jahren stammt. Dabei wird eine Testsubstanz in die Augen von Kaninchen geträufelt, bzw. auf die rasierte Haut aufgetragen, während die Tiere an einer Vorrichtung fixiert sind. In den folgenden Tagen wird dann beobachtet, welche Schäden die Chemikalien anrichten. Die, durch die Substanz, entstehenden Haut – und Augenreizungen führen zu Entzündungsreaktionen, geschwollenen Augenlidern, gerötete Bindehäute und tränenden Augen, während die Verätzungen zur Bildung von Geschwüren, Blutungen und Erblinden führt. Die Einschätzung der erfolgten Schädigung von Augen und Haut ist dabei sehr subjektiv, da verschiedene Labore, auch bei Wiederholung der Testung zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kamen.

Eine weitere Testung ist der Akuttoxitätstest, wobei die mögliche toxische Wirkung eines Produkts oder einer Chemikalie bestimmt werden soll. Die Substanz wird dem Tier, meistens Nagern, in verschiedenen, extrem hohen Dosierungen verabreicht. Entweder wird sie dem Tier auf die rasierte Haut aufgetragen, das Tier wird Zwangsgefüttert oder zur Inhalation gezwungen. Die Tiere mit der höchsten Dosierung leiden unter massiven Bauchschmerzen, Durchfall, Krämpfen, Anfällen, Lähmungen und Blutungen aus Nase, Mund und Genitalien. Einige Tiere sterben durch die Verabreichung der Substanz. Es gibt jedoch keinen wissenschaftlichen Beleg, dass die Testergebnisse eine Vorhersage bezüglich der Wirkung beim Menschen zulassen.

„Rodent Cancer Bioassy“ ist, wie der Name schon verrät, ein Krebstest, bei dem überprüft wird, ob eine Substanz krebserregend ist oder nicht. Mäuse und Ratten werden dabei ihr Leben lang einer Chemikalie bzw. der Substanz ausgesetzt. Wissenschaftler räumen jedoch ein, dass das Testverfahren zu 70% zu falschen positiven Ergebnissen führt.

Anhand der vorgestellten Testungen kann man erahnen, wie schrecklich diese Testungen für die Tiere sein müssen, deshalb wollte ich ebenfalls wissen, warum derlei Testungen überhaupt noch durchgeführt werden?

Hier ist zuallererst „REACH“ zu erwähnen. REACH (=Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) fordert durch eine Gesetzesvorlage, die im Jahre 2006 verabschiedet wurde, dass Chemieunternehmen Informationen über gesundheitliche und umwelttechnische Gefahren einer, in Europa genutzten Chemikalie, vorlegen müssen. Kann ein Unternehmen nicht die geforderten Informationen bezüglich der Toxizität, etc. eines Stoffes vorlegen und gibt es keine geeigneten Alternativmethoden, die geforderten Daten zu ermitteln, NUR DANN fordern sie die Ergebnisse von Tierversuchen und eine erneute Wiederholung eines Versuchs. REACH setzt sich vielmehr dafür ein, Tierversuche zu verringern und versucht Unternehmen von Alternativmethoden zu überzeugen. Das heißt: Möchte ein Unternehmen ein Produkt auf den Markt bringen, das eine Chemikalie enthält, die in Europa erhältlich ist, wurde diese vielleicht an Tieren getestet. Somit kann nicht garantiert werden, dass das Produkt tierversuchsfrei ist. Jedoch kann sich jedes Unternehmen dazu entscheiden für ihre Produkte Inhaltsstoffe zu verwenden, die keine Durchführung von Tierversuchen erfordert oder das eben nicht diese Inhaltsstoffe enthält.

Ein Argument, das sehr oft eine Rolle spielt, ist Profit. Denn eine große Industrie profitiert von Tierversuchen: angefangen bei Händlern, die die Tiere verkaufen, über die Hersteller der Käfige und des Zubehörs, bis hin zu den Wissenschaftlern, die die Versuche durchführen. Tierversuche sind in der Regel billiger als tierversuchsfreie Testungen und werden auch vom Staat finanziell stärker bezuschusst. Tierversuche haben eine lange Tradition. Teilweise existieren Testungen schon seit dem 1. Weltkrieg und werden immer noch durchgeführt. Sie bei dem Verbraucher, den Eindruck von Sicherheit und Unbedenklichkeit aus, da die Substanzen und Inhaltsstoffen ja schon getestet wurden.

Was spricht gegen Tierversuche?

Neben der offensichtlichen Tatsache, dass die Tiere gequält und teilweise getötet werden, ist es doch recht traurig, dass es trotzdem noch anerkannt und sogar gefördert wird. Doch folgende Argumente sprechen gegen die Anwendung von Tierversuchen:

Wie schon erwähnt, treffen Tierversuche nicht immer zu. Meistens sind die Ergebnisse der Testungen unzuverlässig und, durch die anatomischen und physiologischen Unterschiede zwischen Tier und Mensch, nicht auf den Menschen übertragbar. So zeigte eine Studie, dass 92% aller, auf Tierversuchen basierende, Medikamente durchfallen. Das wird an der Contergan-Katastrophe ersichtlich, die sich in den 1960ern abspielte. 5000-10.000 Kinder kamen, durch das Medikament Contergan, das den Wirkstoff Thalidomid enthielt, mit Fehlbildungen und fehlenden Gliedmaßen und Organen, auf die Welt. Medikamente, wie Ibuprofen, Aspirin und Penicilin würde es heute nicht geben, hätte man ihre Einführung von Tierversuchen abhängig gemacht. Ibuprofen würde bei Hunden, schon in geringen Mengen, zur Vergiftung führen und Penicilin würde Meerschweinchen umbringen.

Wie also sollen bewusst krankgemachte, genetisch veränderte Tiere, die in sterilen Käfigen leben, als Blaupause für den Menschen und seiner, immer komplexer werdenden, Umwelt dienen?

Welche Alternativmethoden/-testungen gibt es?

Eine Möglichkeit sind sogenannte „In-Vitro-Verfahren“. Dazu wurden besondere Chips entwickelt. Diese enthalten menschliche Zellen, die in einem hochmodernen System gezüchtet wurden, um die Struktur und Funktion menschlicher Organe und deren Organsystem nachzuahmen. Diese Methode auf die Krankheitsforschung, Arzneimittelprüfung und Toxizitätsprüfung anwendbar. Außerdem wurde nachgewiesen, dass diese Methode die menschliche Physiologie, Krankheiten und Arzneimittelreaktionen besser reproduzieren, als Tiere.

Neben diesen Chips, gibt es noch zellbasierte Tests und Gewebemodelle, die der Bewertung der Sicherheit von Arzneimitteln, Chemikalien, Kosmetika und Verbrauchsprodukten dienen. Mithilfe eines dreidimensionales, von der menschlichen Haut abgeleitetes Hautmodell, das Schlüsselmerkmale der menschlichen Haut nachbildet, kann das Potential einer Substanz eine Hautallergie beim Menschen hervorzurufen, bestimmt werden. Durch diese Methode, kann die Injizierung und das Auftragen einer Substanz bei Meerschweinchen und Mäusen ersetzt werden.

Eine andere Möglichkeit wäre die Forschung mit menschlichen Probanden. Darunter fällt beispielweise „Microdosing“. Freiwillige erhalten einmal eine extrem niedrige Dosis einer Substanz, z.B. in Form eines Medikaments und mithilfe hochentwickelter, bildgebender Verfahren wird dann das Verhalten des Medikaments im Körper überwacht und überprüft. Dadurch können wichtige Informationen über die Sicherheit eines potentiellen Medikaments und seine Verstoffwechslung beim Menschen, gewonnen werden. Auch diese Methode kann bestimmte Tests bei Tieren ersetzen.

Wie erkenne ich tierversuchsfreie Kosmetikmarken und welche gibt es?

Wie schon erwähnt, gibt es verschiedene Siegel, die kennzeichnen, dass eine Marke tierversuchsfrei produziert. Auch diese Siegel kosten Unternehmen Geld, weshalb nicht jedes Unternehmen, das tierversuchsfrei produziert, auch als solches ausgezeichnet ist. In solchen Fällen muss man sich über sie informieren und ihnen Vertrauen schenken. „Leaping Bunny“ unterliegt den „Human Cosmetic Standards“ und ist das einzige international gültige Siegel. Es verpflichtet mit dem Siegel ausgezeichnete Unternehmen, keine Tierversuche durchzuführen oder in Auftrag zu geben und dass die Produkte keine Bestandteile gequälter oder getöteter Tiere beinhalten dürfen. Des Weiteren dürfen sie keine Verbindungen zu Unternehmen haben, die Tierversuche durchführen. Auch das Siegel „Hase mit schützender Hand“ verpflichtet ausgezeichnete Unternehmen, zu den oben genannten Punkten.

Das Siegel „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ verpflichtet Unternehmen dazu, dass deren Produkte bei der Herstellung, Entwicklung und Prüfung tierversuchsfrei sein müssen. Außerdem dürfen sie keine Rohstoffe enthalten, die vor 1998 noch nicht auf dem Markt waren oder die an Tieren getestet wurde. Stoffe, die von Tieren produziert werden sind jedoch erlaubt. „Vegan“ ist auf Produkten zu finden, deren Inhaltsstoffe frei von Tierversuchen und vegan sind. Ein paar tierversuchsfreie Marken wären „Essence“, „Catrice“, „Heyorganic“, „Lovely Day Botanicals“ und „Body and Soul“.

Gibt es Alternativen zu herkömmlichen Kosmetik-Marken?

Auch in dieser Branche gibt es Unternehmen, die ihre Produkte nachhaltig und auf biologischen Inhaltsstoffen basierend, herstellen. Da die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Bio“ in der Kosmetikbranche nicht geschützt sind, findet diesbezüglich oftmals „Greenwashing“ statt. Das bedeutet, Unternehmen nutzen diese Lücke und vermarkten Produkte als „nachhaltig“ oder „bio“, obwohl das Produkt nur geringe Mengen eines nachhaltigen oder biologischen Inhaltsstoffes enthält. Auch diesbezüglich gibt es Siegel, die Naturkosmetik aus kontrollierten Anbau garantieren. Doch wie üblich, wenn es um Nachhaltigkeit oder faires geht, hat nicht jedes Unternehmen, auf deren Produktion dies zutrifft, ein entsprechendes Siegel. Deshalb heißt die Devise auch hier: Informieren und Vertrauen!

Wer zukünftig auf Bio-Kosmetik oder kontrollierte Naturkosmetik umsteigen möchte, kann auf bestimmte Merkmale achten, die darauf hinweisen. Bei Bio-Kosmetik-Produkten müssen die eingesetzten pflanzlichen und tierischen Inhaltsstoffe zu mindestens 95% aus biologischer Landwirtschaft stammen. Die Kennzeichnung von Bio-Produkten ist freiwillig und in unterschiedlicher Form möglich. Kontrollierte Naturkosmetik beinhaltet naturreine und ökologisch hochwertige Rohstoffe, nur natürliche und naturidente Konservierungsstoffen und die Wirkstoffe sind umweltverträglich. Die Produkte enthalten keine synthetischen Duftstoffe, Farbstoffe oder Silikone. Die Rohstoffe und Endprodukte werden nicht radioaktiv bestrahlt und erfahren eine gentechnikfreie Verarbeitung. Zudem gibt es Kriterien, die die nachhaltige Kosmetikproduktion unterstützen. Das sind faire Arbeitsbedingungen, die Förderung sozialer Projekte, fairer Handel, recyclebare Verpackungen, Refill-Produkte und klimafreundliche Produkte.

Wie in vielen Bereichen und Branchen bezüglich Nachhaltigkeit oder Fairtrade, gibt es auch im Kosmetikbereich Alternativen, man muss sich einfach informieren und ausprobieren. Wer überprüfen möchte, ob die genutzten Kosmetikprodukte tierversuchsfrei sind, der kann dies beispielsweise auf der Internetseite von „Peta“ tun. Dort gibt es verschiedene Listen mit anwendbaren Filtern, um mehr über verschiedene Marken im Bezug auf Tierversuche, aber auch z.B. vegane Inhaltsstoffe, etc. herauszufinden. Eine Liste führt deutsche Firmen auf und die andere international Marken auf.

#Kosmetik #Tierversuche #vegan #Nachhaltigkeit #Peta

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